Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Via Lemovicensis:
Saint-Laurent-les-Églises – Saint-Léonard-de-Noblat (15,7km)
Umwege, Dachs und Döner
7:00 Zelt abgebaut, 8:30 Abmarsch – nüchtern, im Nieselregen, und ohne Frühstück. Ein Start wie ein ungeölter Wanderschuh.
Gleich zu Beginn den Abzweig verpasst und zur Strafe 4 km entlang einer Straße mit viel zu schnellen Autos gelaufen. Auch ein Dachs hatte diesen Weg versucht – sein Versuch endete tödlich. Das Blut war noch frisch. Ein stummes Memento mori am Straßenrand.
Im ersten Ort: Hoffnung! Eine Bäckerei! Eine Bar! Beide… geschlossen. Sonntag eben. Und ich hatte – wie so oft – nicht vorgesorgt.
Ein überdachter Lavoir wurde mein rettender Hafen: Ich kochte Kaffee, kaute auf einem zähen Endstück Baguette und kombinierte es mit den letzten Resten von Käse und Salami. Pilgerluxus in seiner rohesten Form.
Unterwegs bot mir eine romanische Kirche Zuflucht. Hier wirkte alles, als hätte die Zeit seit Jahrhunderten stillgestanden. Vielleicht tut sie das wirklich – an solchen Orten.
Die Etappe war kurz, aber fordernd. Wechsel zwischen Asphalt und urigen Waldpfaden – und das Gefühl, es ginge immer nur bergauf. Nach 15 km war Schluss. Keine Kraft mehr.
Mein Ziel war die „Refuge des pèlerins“ in Saint-Léonard-de-Noblat – ein Haus mit Geschichte, gleich neben der ehrwürdigen Kathedrale. Heute hatte ich es ganz für mich allein, samt aller Wäscheleinen. Endlich konnten Zelt, Schlafsack und klamme Kleidung vom Vortag trocknen.
Abends drehte ich noch eine kleine Runde durch die Altstadt – im Regen natürlich – und gönnte mir als späten Trost einen Döner.
Pilgerfazit des Tages:
Nicht jeder Umweg ist vergeblich. Auch wenn man hungrig, nass und müde ist – irgendwo wartet ein Ort zum Ausruhen. Manchmal ist es ein Lavoir, manchmal eine Kathedrale. Und manchmal… ein Döner. 🙂
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 94
Saint-Laurent-les-Églises – Saint-Léonard de Noblat (15,7km)











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