Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Via Lemovicensis:
La Souterraine – Marsac (27,1km)
Megalithen, Spinnen und ein holländisches 4-Gänge-Menü
7:30 Uhr, 15 Grad, bewölkt. Ein leiser Regen begleitet mich aus La Souterraine heraus – Asphalt unter den Füßen, ein wolkenverhangener Himmel über mir. Die Sonnenblumen am Wegesrand sehen ähnlich bedröppelt aus wie ich, aber wer kann es ihnen verdenken?
Die erste kleine Rast gönne ich mir in der Nähe von Saint-Priest – beim Dolmen von Pierre Folle, einem uralten Megalithgrab. Sechs Steine stützen augenscheinlich einen mächtigen Deckstein, fast rund, 3,40 Meter lang, 1,80 Meter hoch. Eigentlich sind es nur 3 Steine, was mein Foto beweist. Man spürt förmlich, wie sich hier Zeit und Stille die Hand geben. Nicht weit entfernt eine alte Kirche, still und kühl – ich verweile kurz im Gewölbe des Jahrhunderts.
Nach zehn Kilometern Straße im Regen endlich die Abzweigung hinter Le Bec. Feldwege! Mäßiger Sonnenschein begrüßt mich – nicht von Dauer, aber intensiv. Eine kurze Versöhnung mit dem Tag.
Ich pflücke Brombeeren am Wegrand und entdecke dabei mitten im Gestrüpp eine interessante Spinne – fein gezeichnet, als hätte sie sich für ein Festival herausgeputzt.
Weiter geht’s, über winzige Nebenstraßen. Jeder Hügel wird mitgenommen – mein Pilgerweg scheint sich heute einen Spaß mit meinem Kreislauf zu machen. Dafür führt mich die Strecke durch kleinste Dörfer, fast unsichtbar, so tief eingebettet ins grüne Dickicht, dass ich mich wie ein Entdecker fühle. Der Regen holt mich wieder ein. Es scheint heute alles mitzumarschieren: Natur, Wetter und Stimmung in einem ganz eigenen Gleichschritt.
In Bénévent-L’Abbaye will ich eigentlich übernachten – aber die Auberge ist voll. Nicht mit Pilgern, sondern mit Feriengästen. Vielleicht ein kleines Zeichen, dass der Weg mich noch nicht loslassen will. Also hänge ich noch fünf Kilometer dran.
Und werde belohnt.
In Marsac lande ich in einer traumhaften Herberge, geführt von einem Holländer, etwas außerhalb gelegen – aber mit Herz und Seele eingerichtet. Mehrere Feriengäste sind da, es herrscht eine freundliche Atmosphäre, und der Clou: Ein 4-Gänge-Menü vom ehemaligen Koch aus Amsterdam.Ich sage nur: Pilgern mit Stil!
Und so endet dieser Tag mit müden Beinen, vollem Bauch und dem Gefühl, dass der Weg mir heute wieder ein kleines Abenteuer geschenkt hat – mit Steinen, Spinnen, Sonnenblumen und einem Hauch Holland in der französischen Provinz.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 91
La Souterraine – Marsac (27,1km)







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