Tag 9

von | 11. Mai. 2024

Zu Fuß auf dem Pilgerweg von
Berlin nach Santiago de Compostella

Via Imperii:

Bad Düben – Krostitz (22,3km)

Der krasse Gegensatz zum gestrigen Tag konnte nicht deutlicher sein. Hinter Bad Düben hatte ich die Mulde hinter mir gelassen und mit ihr die vertrauten Waldwege, die Tümpel mit ihren possierlichen Bewohnern und die gern gesehenen Sitzbänke im schattigen Grün. Vor mir erstreckten sich nun endlose Felder, links Korn, rechts das leuchtende Gelb des Rapses. Oder war es andersherum? Zwischendurch tauchte hin und wieder ein Dorf auf, doch keine Möglichkeit, meinen Proviant aufzufüllen.

Mulde
Felder
Straße

Ich traf auf ein Paar aus Berlin, das das Pilgern für ein Wochenende ausprobieren wollte. Steffi, eine der beiden, kaufte gerade beim Bauern ein Glas Honig, ohne sich um das zusätzliche Gewicht Gedanken zu machen. Sie erzählte von einem Hotel, in dem sie versehentlich zwei unbenutzte Duschgele eingepackt hatte – und meine Aufmerksamkeit war geweckt, denn ich hatte mein eigenes am Morgen vergessen. Steffi schenkte mir großzügig eines ihrer Duschgele, und so schloss sich der Kreis: Sie mit weniger Gewicht, ich mit einem dringend benötigten Duschgel.

Lost place, Barock Schloss Wölkau
Waffellaube

 

Die Sonne brannte erbarmungslos, und mein Wasservorrat neigte sich dem Ende zu. Da geschah es wie ein Wunder: Plötzlich stand ich vor einer unscheinbaren Wand mit dem Hinweis auf ein Café und frische Waffeln. Die Tür stand offen, und als ich um Wasser bat und von meinem Pilgerweg erzählte, wurde mir großzügig ein Glas Rhabarberschorle geschenkt. Die Waffeln sahen verlockend aus, doch ich sehnte mich mehr nach Proteinen.

 

In Krostitz angekommen, erinnerte ich mich sofort, woher mir der Name bekannt war.

Ur Krostitzer

Ein Platz zum Übernachten fand ich schließlich im Gemeindehaus der St. Laurentius Kirche, und am Eingang zur Kirche erhielt ich den ersehnten Stempel in meinen Pilgerpass.

Grüne Reise nach Santiago:

Tag 9
Bad Düben – Krostitz (22,3km) 

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