Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Jakobsweg Trier – Vézelay:
Sinz – Perl (12,8km)
Die Sonne blieb heute hinter grauen Schleiern verborgen. Kein Strahl, kein Lächeln vom Himmel – nur ein beißend kalter Wind, der mir entgegenblies, als wolle er mich zum Umkehren bewegen. Die Temperaturen sanken unter zehn Grad, und jeder Schritt schien nicht nur durch die Landschaft zu führen, sondern auch gegen die Elemente.
In Perl-Borg, im kleinen Pilgerraum neben der Kirche, fand ich für einen Moment Schutz. Die Wände waren schlicht, die Einrichtung spartanisch – aber der heiße Tee zwischen meinen klammen Fingern war wie ein Trostpflaster für Körper und Seele. Für heute standen nur zwölf Kilometer auf dem Plan. Eine kurze Etappe – dachte ich.
Doch das eigentliche Hindernis wartete nicht auf dem Weg, sondern am Ziel. An der Grenze zu Frankreich und Luxemburg – einem symbolischen Ort, dem Tor in die nächste Etappe meines Jakobsweges – begann das eigentliche Ringen: die Suche nach einem Bett. Ich telefonierte mich durch meine Liste an Unterkünften, ein Eintrag nach dem anderen. Belegt. Voll. Nicht erreichbar. Wegen einer Veranstaltung war alles in der Umgebung ausgebucht. Der Pilgerplan fiel ins Wasser, diesmal nicht durch Regen, sondern durch geschlossene Türen.
Am Bahnhof von Perl, fast schon ein bisschen erschöpft vom Wind und der Enttäuschung, landete ich schließlich im Hotel Maimühle – eine Unterkunft, wie sie sonst nicht in meinem Budget oder Pilgerstil lag: edel, gepflegt, mit Komfort, der fast zu viel des Guten schien. Und doch, als ich unter der heißen Dusche stand, in frische Laken schlüpfte und später im Restaurant saß, mit Blick auf das letzte deutsche Abendrot, spürte ich: Auch das gehört zum Weg.
Der letzte Abend in Deutschland fühlte sich unerwartet feierlich an – als hätte der Jakobsweg mir zum Abschied noch einmal gezeigt, dass man nicht immer das bekommt, was man sucht, aber oft das, was man braucht.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 51
Sinz – Perl (12,8km)





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