Zu Fuß auf dem Pilgerweg von
Berlin nach Santiago de Compostella
Lahn Camino:
Diez – Laurenburg (19,3km)
Nach einer zweiten Nacht in der gemütlichen Jugendherberge in Diez, wo ich mich mal wieder wie ein König im Schlafsaal gefühlt hatte, stand der Abschied an. Es war Zeit, die nächste Etappe nach Laurenburg in Angriff zu nehmen. Doch bevor ich mich auf den Weg machte, hatte ich nur eines im Sinn: Den heiß begehrten Stempel in der örtlichen Pfarrei zu ergattern. So fixiert war ich darauf, dass ich das Wichtigste vergaß: Proviant! Das nennt man wohl Prioritäten setzen.
Natürlich regnete es mal wieder in Strömen, als ich den Aufstieg nach Fachingen antrat. Die Gegend ist übrigens berühmt für ihre Wässer: Fachinger, Selters, Birleborner… Wenn ich doch nur eins dieser Flaschen in meinem Rucksack gehabt hätte! Aber nein, ich stapfte tapfer weiter, während der Himmel alle Schleusen öffnete.
Der Weg forderte all meine Kräfte, da es ständig auf und ab ging. Von der geruhsamen Pilgerreise, die ich bisher kannte, war keine Spur mehr. Hier gab es keine gemütlichen Radwege, sondern Bergpfade und naturbelassene Forstwege und Wiesen, die es zu überqueren galt. Lahn Camino, Lahnwanderweg und Europaweg E1 – alle vereint in einem Einzigen. Kein Wunder, dass ich keine anderen Wanderer traf, die saßen sicher trocken und warm zu Hause.
Ein Highlight auf der Strecke war die Schaumburg. Interessant und beeindruckend, keine Frage.
Doch als sich der Himmel gegen 17:00 Uhr verdunkelte und die ersten Donner grollten, war ich bereits einen Kilometer vor Laurenburg. Jetzt musste ich nur noch den Berg hinunter. Was tun? Natürlich im Laufschritt, denn der Regen wurde immer heftiger. Ich erreichte den ersten geschützten Unterstand am Bahnhof von Laurenburg. Auf der gegenüberliegenden Seite der Lahn wusste ich von einem Imbiss und einem Gasthof. Mit heldenhaften Schritten überquerte ich die Brücke und entdeckte am Lahnufer den Imbisswagen mit aufgeklapptem Vordach, der im Begriff war, zu schließen.
Unter dem schützenden Vordach angekommen, bestellte ich alles, was noch verfügbar war: Apfelplunder, Pommes mit Mayo und eine Limo. Eine ausgewogene Ernährung sieht anders aus, aber in diesem Moment war ich einfach nur dankbar. Als der Regen nachließ und das Gewitter weiterzog, machte mir der Betreiber klar, dass er schließen wollte. Also zog ich weiter zu meinem heutigen Ziel, dem Gasthaus Lahnblick.
Dort verbrachte ich den gesamten Abend auf meinem Balkon und zählte die Regentropfen auf der Lahn. Wer braucht schon Fernsehen, wenn man das Spektakel der Natur haben kann?
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 37
Diez – Laurenburg (19,3km)











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