Zu Fuß auf dem Pilgerweg von
Berlin nach Santiago de Compostella
Lahn Camino:
Weilburg – Villmar (24,1km)
Meine nicht gerade günstiges Hotelzimmer am Bahnhof beeindruckte durch seinen gehobenen Standard. Der Komfort des Bettes war so verlockend, dass ich am liebsten noch länger darin verweilt hätte. Doch es war das üppige Frühstücksbuffet, das mich schließlich aus den Federn lockte. Die Vielfalt der angebotenen Speisen war überwältigend und spiegelte sich bald in meinem Bauchumfang wider.
Trotz der köstlichen Verführung des Frühstücks machte ich mich widerwillig auf den Weg. Eine geplante Schlossbesichtigung musste ich mir versagen, da die Führungen nur zu festgelegten Zeiten stattfanden. Mein Ziel war es, vor dem angekündigten Gewitter und Starkregen in Villmar anzukommen.
Der Weg führte mich zunächst entlang des Radweges an der Lahn und dann an der Weil bis nach Freienfels. Dort unternahm ich den Aufstieg zur Burg Freienfels, nur um festzustellen, dass sie leider verschlossen war. Trotzdem genoss ich die Aussicht und setzte meinen Weg über Feldwege fort. In Weinbach hielt ich an einer Tankstelle, um mich mit Schokoriegeln einzudecken – eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellte, da es auf dem restlichen Weg nach Villmar keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gab.
Kurz vor Elkerhausen begann das vorhergesagte Gewitter und der Regen setzte ein. Glücklicherweise fand ich schnell eine Bushaltestelle, unter der ich Schutz suchte. Nach etwa einer Stunde Wartezeit konnte ich meine Reise fortsetzen und erreichte Villmar gegen 18:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein.
Mein erster Halt in Villmar war die Kirche St. Peter und Paul, wo ich mir einen Pilgerstempel abholen wollte. Ich hatte für die Nacht ein Zimmer in einer Ferienwohnung am gegenüberliegenden Ortsrand gemietet und wollte diesen offiziellen Nachweis meiner Reise nicht verpassen. Doch die Kirche war bereits verschlossen. Während ich das Gebäude umrundete, wünschte ich mir, dass jemand käme, um die Tür für mich zu öffnen. Und tatsächlich – in diesem Moment erschien die Haushälterin der Kirche und öffnete mir die Pforte.
Die Kirche St. Peter und Paul beeindruckte mit ihrem hohen, spitzen Turm, der bereits von weitem sichtbar war und dem Ort eine markante Silhouette verlieh. Dieser glückliche Zufall rundete meinen ereignisreichen Tag perfekt ab und ich machte mich zufrieden auf den Weg zu meiner Unterkunft.
So endete ein Tag voller kleiner Abenteuer und Überraschungen, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 34
Weilburg – Villmar (24,1km)









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