Tag 102

von | 5. Aug.. 2025

Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella

 

Via Lemovicensis:

Sourzac – Mussidan (6km)

Zwischen Abbruchgedanken und Neubeginn

Der Morgen begann schwer. Schon um neun Uhr brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel, meine Beine fühlten sich bleiern an, die Zehen pochten von den letzten Tagen. Ein Gedanke tauchte auf: Vielleicht höre ich auf. Vielleicht mache ich im Herbst weiter.

Trotzdem packte ich mein Zelt zusammen und machte mich auf die kurzen sechs Kilometer bis Mussidan. Der erste Stopp: eine Bäckerei, ein Kaffeehaus. Ein baskisches Baguette, ein großer Café – und wie von Zauberhand kehrte neue Kraft zurück. Plötzlich schien der Tag wieder leichter.

Städtische Herberge Mussidan

Und doch entschied ich mich, nicht weiterzugehen. In Mussidan gab es eine städtische Herberge, wo ich mir ein Bett sicherte. Wieder einmal stand ich allein in einem großen Raum mit zehn Betten – fast schon wie ein Pilger-König in leerer Halle.

Doch die Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: Am Abend kam noch eine Mitpilgerin hinzu – Jolanda, aus den Niederlanden, sportlich und flott unterwegs. Wir verstanden uns sofort. Es wurde ein heiterer, lebendiger Abend, gefüllt mit Geschichten, Lachen und dem Gefühl, dass Pilgerschaft nicht nur aus Kilometern, sondern vor allem aus Begegnungen besteht.

Am Morgen wollte ich noch alles abbrechen. Am Abend saß ich lachend mit einer neuen Weggefährtin zusammen. Vielleicht ist das die eigentliche Kunst des Pilgerns: nicht aufzugeben, bevor der nächste Mensch, das nächste Wunder, die nächste Leichtigkeit auftaucht.

✨ Pilgerweisheit des Tages:

„Wer kurz vorm Aufgeben ist, sollte erst einen Kaffee trinken – oder eine Pilgerin treffen.“ ☕😄

 

Grüne Reise nach Santiago:

Tag 102

Sourzac – Mussidan (6km)

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