Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Via Lemovicensis:
Saint Astier – Sourzac (22,4km)
Strom, Schokoriegel und ein Hauch von Abendmahl
Schon früh am Morgen hatte ich mein Zelt zusammengepackt. Die eigentliche Herausforderung auf Campingplätzen ist weniger das Schlafen als das Laden der Elektronik. Steckdosen sind hier die wahren Pilger-Schätze: mal im Waschraum, mal bei freundlichen Wohnmobil-Nachbarn, heute auf der Terrasse eines Cafés – wo sich Nützliches und Angenehmes wunderbar verbinden ließ.
Das Wetter spielte wieder Pilgerparadies: wolkenloser Himmel, schattige Waldpfade und kleine, urige Dörfer im Hinterland der L’Isle. Es machte einfach Freude, Schritt für Schritt durch diese Landschaft zu gehen – so sehr, dass ich glatt vergaß, mir in Mussidan einen Platz in der Herberge zu reservieren.
Am Ende entschied ich mich für den „Camping municipal“ in Sourzac, sechs Kilometer vor meinem eigentlichen Ziel. Ein Ort ohne Laden, ohne Café, ohne Restaurant – aber mit herrlich heißen Duschen, frischem Trinkwasser und einem besonderen Geschenk: einem Zeltnachbarn aus den Niederlanden, ebenfalls als Pilger unterwegs, allerdings auf zwei Rädern.
Wir legten unsere Vorräte zusammen und teilten sie brüderlich: Brot, Fisch in Tomatensoße und als süße Krönung ein Schokoriegel. Es fühlte sich fast ein wenig wie ein schlichtes, aber tiefes Abendmahl an – Pilgergemeinschaft in ihrer reinsten Form.
Bevor uns die Mücken zu sehr liebgewannen, flüchteten wir beide in unsere Zelte. Und ich schlief mit dem Gefühl ein, dass selbst die kleinsten Mahlzeiten groß werden, wenn man sie teilt.
✨ Pilgerweisheit des Tages:
„Wo Brot und Fisch geteilt werden, da wird selbst der Campingplatz zur Kathedrale.“
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 101
Saint Astier – Sourzac (22,4km)



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