Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Via Lemovicensis:
Saint-Léonard de Noblat – Limoges (23,3 km)
Ein bisschen Bus, viel Sonne und eine himmlische Aussicht
Heute bin ich total spät auf den Weg gekommen. Es war einfach zu gemütlich in meiner Herberge – reichlich Kaffee, reichlich Zwieback, reichlich Zeit. Frühstück kann so unkompliziert und so wohltuend sein.
Dann habe ich etwas getan, was meiner inneren Pilgerehre eigentlich widerspricht: Ich bin ein Stück mit dem Bus gefahren. Etwa 10 Kilometer. Nicht, weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich Limoges nicht zu spät erreichen wollte. Manchmal darf man pragmatisch sein. Oder gnädig mit sich selbst.
Der Rest des Weges war – wie in den vergangenen Tagen – schön, nur anders. Kein Regen, sondern Sonnenschein. Kein Auf und Ab, sondern meist nur abwärts. Die Schritte leicht, der Geist offen, das Herz dankbar.
Und dann, ganz plötzlich, endete das ländliche Idyll: Keine Kühe mehr, keine Strohballen. Stattdessen Menschen, Autos, Ampeln. Ich war angekommen in der Zivilisation. In Limoges, der bekannten Porzellanstadt an der Vienne.
Heute Morgen hatte ich mir vorsorglich ein Bett reserviert – bei den Soeurs Franciscaines, direkt gegenüber der Cathédrale Saint-Étienne de Limoges. Was ich bekam, war weit mehr als nur ein Platz zum Schlafen: Ein Einzelzimmer mit Blick auf die Kathedrale, das Schloss und den Botanischen Garten.
Ein kleiner Luxus, der sich wie ein Geschenk anfühlt.
Ein bisschen Bus, ein bisschen Sonne, ein bisschen Großstadt – und doch: der Weg geht weiter. Schritt für Schritt, Tag für Tag.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 95
Saint-Léonard de Noblat – Limoges (23,3 km)







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