Tag 52

von | 25. Apr.. 2025

Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella

Jakobsweg  Trier – Vézelay:

Perl – Sainte Marguerite (16,9km)

Ein Frühstück, wie man es sonst nur auf Hochglanzfotos findet – Croissants, frisches Obst, dampfender Kaffee, Butter, die sich wie Samt aufs Brot schmiegte. Der Abschied von Deutschland war pompös – nicht mit Fanfaren, sondern mit Geschmack. Und so brach ich auf, dem neuen Land entgegen.

In Apach, kaum jenseits der Grenze, traf ich ihn: einen Pilger aus Deutschland. Der Rucksack auf dem Rücken, das Ziel im Herzen – wir mussten nicht viel erklären. Auf dem Weg entlang der Mosel, bis nach Sierck-les-Bains, tauschten wir Geschichten aus: Blasen, Begegnungen, stille Morgen und harte Etappen. Ein flüchtiger Weggefährte – und doch vertraut.

Sierck, mit seiner alten Festung Château des Ducs de Lorraine, wirkte wie ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Ich hätte gerne mehr Zeit dort verbracht, mehr Worte geteilt. Aber der Ruf nach Baguette, Käse und einer Quiche Lorraine war lauter – der Pilgermagen hat seine eigenen Gesetze.

Danach verlor ich ihn aus den Augen. Vielleicht war es das gesperrte Naturschutzgebiet, das uns trennte. Wegen Waldschäden war der Durchgang offiziell nicht passierbar – doch ich wollte es trotzdem versuchen. Der Wald war still, beinahe zu still. Kein Geräusch, kein Wind – nur die Abwesenheit von Wegen. Und dann: das Aus. Eine Brücke fehlte, vermutlich vom Hochwasser davongerissen, als wollte die Natur ihre Ruhe zurückfordern.

Suchbild: Findest du das Tier auf dem Bild?

Der Umweg war kein Spaziergang. Eine vielbefahrene Straße, ohne Seitenstreifen, zwang mich zum Balanceakt zwischen vorbeirauschenden Autos und der eigenen Vorsicht. Der Jakobsweg, der manchmal Wanderung, manchmal Mutprobe ist.

Doch ich überlebte ihn – und mit jedem Meter wich die Anspannung. Felder, kleine Dörfer, grüne Wege empfingen mich wieder wie alte Freunde. Schließlich, in Sainte-Marguerite, kam ich an.

Die Herberge von Isabelle & Gérard Marchetti lag ruhig, beinahe verschlafen. Ich war der einzige Gast – kein Gespräch am Tisch, kein geteiltes Abendbrot. Isabelle, freundlich und warm, überließ mir die Küche, ich sorgte selbst für mein Mahl. Und doch war da etwas Besonderes an diesem Ort.

Denn Isabelle gab mir einen Pilgerstempel, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Kein Gummi, keine Tinte von der Stange – sondern ein handgemaltes Unikat, mit feinem Strich und persönlicher Note. Jeder Pilger bekommt bei ihr ein eigenes Kunstwerk – als Zeichen dafür, dass jeder Weg einzigartig ist. Ich sah auf das kleine Bild, das sie mir mitgegeben hatte, und spürte: Auch wenn ich heute allein aß, war ich nicht allein auf dem Weg.

Grüne Reise nach Santiago:

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Perl – Sainte Marguerite (16,9km)

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