Tag 38

von | 22. Juni. 2024

Zu Fuß auf dem Pilgerweg von
Berlin nach Santiago de Compostella

Lahn Camino:

Laurenburg – Obernhof (10,2km)

Fest entschlossen und mit einem kräftigen Frühstück im Bauch machte ich mich auf den Weg.
Mein Ziel war klar: Kilometer machen! Schließlich war ich in den vergangenen Tagen nicht so gut vorangekommen, wie ich es mir erhofft hatte. Doch der heutige Tag sollte sich als noch herausfordernder erweisen als der gestrige.

Kaum hatte ich den Gasthof verlassen, ging es durch hohes Gras entlang der Eisenbahnschienen. Bei Regen eine wahre Tortur, denn die nassen Pflanzen schlugen mir ins Gesicht und durchnässten mich bis auf die Haut. Das Gras war nicht nur hoch, sondern auch rutschig, und ich fühlte mich wie eine Ente im Sumpf.

An einer Quelle entschied ich mich, eine kurze Pause einzulegen und meine Beine zu überprüfen. Eine Zecke hatte sich bereits auf den Weg gemacht, die perfekte Stelle für einen Biss zu finden. Nach einem kurzen, aber entschlossenen Kampf hatte ich das Biest besiegt. Der Weg führte mich weiter bergauf und bergab durch matschigen Wald, wobei jeder Schritt eine Herausforderung darstellte. Doch das Schlimmste stand mir noch bevor.

Häuserhofquelle
Vermutlich eine Zecke

Eine Wegsperrung zwang mich, einen Umweg zu nehmen. Entschlossen, keine wertvolle Zeit zu verlieren, ignorierte ich das Verbotsschild und wagte mich in die gesperrte Zone. Was folgte, war ein Höllentrip: Zwei Kilometer, für die ich fast vier Stunden brauchte. Der Weg war übersät mit umgestürzten Bäumen, die ich umgehen oder überklettern musste. An einem steilen Hang verlor ich mehrmals fast das Gleichgewicht und schlitterte gefährlich nahe an den Abgrund.

Wegsperrung
Waldschäden
Waldschäden
Aussichtspunkt über der Lahn
Lahnwanderweg vor Obernhof

Meine Knie waren aufgeschlagen, meine Arme und Beine mit Schürfwunden übersät, und meine Füße steckten tief im Schlamm. Aber es gab hier und da wunderschöne Aussichten.  Irgendwann erreichte ich endlich Obernhof. Erschöpft und durchnässt schlug ich mein Zelt auf dem Campingplatz auf.

Blick auf Obernhof
Mein kleines Zelt
Campingplatz und Weinanbau in Obernhof an der Lahn
Campingplatz Obernhof

Seit einer Stunde tobt ein Platzregen mit Sturmböen, die mein Zelt zum Zittern bringen. Ich liege im Inneren und höre dem Regen zu, der unaufhörlich gegen die Zeltwände peitscht.

Grüne Reise nach Santiago:

Tag 38

Laurenburg – Obernhof (10,3km)

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