Zu Fuß auf dem Pilgerweg von
Berlin nach Santiago de Compostella
Via Regia:
Eckartsberga – Stedten (26,5km)
Heute haben wir alle bis 9:00 Uhr ausgeschlafen. Jeanne und Annet aus Vlissingen Niederlande, an deren Gesellschaft ich mich schon fast gewöhnt habe, beendeten hier nach 14 Tagen ihre Wanderung auf der Via Regia. Sie planen, nächstes Jahr zurückzukehren und ihre Pilgerreise fortzusetzen. Vlissingen weckt in mir nostalgische Erinnerungen, da wir als Kinder dort oft mit unseren Eltern Urlaub gemacht haben.
Nach einer regnerischen Nacht war der Weg heute von einer ungewöhnlich großen Anzahl an Schnecken bevölkert. Meine Wanderung glich daher eher einem Stepptanz als einem entspannten Spaziergang, da ich ständig versuchte, den kleinen Kriechern auszuweichen. Zu allem Überfluss fielen die Mücken in Scharen über mich her. In meiner Hektik, die Schutzcreme zu finden, verlor ich nicht nur die Kontrolle, sondern auch meine geliebte Lesebrille.
In der Herberge in Stedten konnte ich niemanden erreichen, um nach einem Schlafplatz zu fragen. Zusätzlich fiel mir ein, dass heute Samstag und morgen Pfingstsonntag ist, was bedeutete, dass die Geschäfte geschlossen bleiben würden. Diese Umstände ließen meine Sorgen wachsen, doch letztlich stellte sich alles als unbegründet heraus. In Buttelstedt, etwa fünf Kilometer vor Stedten, fand ich einen Supermarkt, in dem ich mich gut versorgen konnte.
Der Grund, warum ich in Stedten niemanden erreichen konnte, lag darin, dass sich die Kontaktperson und somit auch die Handynummer geändert hatten. An der Kiliankirche entdeckte ich einen Aushang mit der neuen Nummer. Mit einem Zahlencode, der mir telefonisch mitgeteilt wurde, konnte ich die Kirche öffnen und im Turm übernachten. Leider war ich hier wieder allein.
Trotz aller Widrigkeiten hatte der Tag auch seine positiven Seiten. Die unerwarteten Herausforderungen und die kleinen Erfolge, wie das Finden des Supermarktes und das Übernachten in der Kirche, machten die Reise zu einem Abenteuer. Diese Erlebnisse erinnerten mich daran, dass das Pilgern nicht nur aus den geplanten Wegen und Unterkünften besteht, sondern vor allem aus den unvorhergesehenen Ereignissen und Begegnungen, die die Reise einzigartig machen.
Dieser Tag auf der Via Regia war eine Mischung aus Herausforderungen und glücklichen Zufällen. Er zeigte mir, dass jede Pilgerreise ihre eigenen Überraschungen bereithält und dass man oft mehr gewinnt, als man verliert. So bleibe ich gespannt und freue mich auf die kommenden Tage.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 16
Eckartsberga – Stedten (26,5km)








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