Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Jakobsweg Trier – Vézelay:
Étourvy – Épineuil (18,3km)
Als ich am Morgen aufbrach, war es feucht und kalt, und in den Tälern lag dichter Nebel. Der Weg führte einsam über Feldwege, vorbei an endlosen Getreidefeldern. Nach etwa acht Kilometern erreichte ich den kleinen Ort Mélisey. Zu gerne hätte ich hier eine Pause in einem Café eingelegt – doch es gab keinen Laden, keine offene Tür.
Ich sprach eine Frau an, die gerade in ihrem Garten arbeitete, und fragte sie, wo ich mein Pilgerbuch stempeln lassen könnte, denn sowohl die Kirche als auch das Bürgerhaus waren verschlossen. Sie erklärte mir, dass die Ortsvorsteherin mit dem Traktor unterwegs sei, und bot mir gleichzeitig einen Kaffee an. Ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen konnte. 🙂
Hinter Mélisey tauchte ich in eine wunderschöne Landschaft aus Wald und Wiesen ein. Gleich mehrfach überraschte ich Rehe, die scheu durch das hohe Gras sprangen. Der Weg bot heute auch weite Fernsichten, ein ständiger Wechsel aus Nah und Fern, aus Stille und Weite. Was jedoch wieder einmal fehlte waren Sitzgelegenheiten. Gerade an solch feuchten Tagen wären sie eine Wohltat. Bei trockenen Böden ist das natürlich kein Problem, da tut es auch mal ein Baumstamm.
Kurz vor meinem Tagesziel Épineuil änderte sich das Landschaftsbild. Die Getreidefelder verschwanden, und Weinstöcke bestimmten nun das Panorama. Mein Ziel war die Herberge „La Parenthèse“, zentral im Ort gelegen, in unmittelbarer Nähe zur Kirche Saint Étienne aus dem 12. Jahrhundert, die leider ebenfalls, wie bereits die Kirche in Mélisey, verschlossen war.
Wenig überraschend war ich auch hier der einzige Gast und bekam das einzige Zimmer mit Blick und Zugang zum Hofgarten – ein schönes, ruhiges Plätzchen. Nach einem Einkauf bei Lidl bereitete ich mir in der gut ausgestatteten Küche mein Abendessen zu. Im Aufenthaltsraum entdeckte ich dann ein echtes Highlight: ein Flügel, eine Gitarre und weitere Instrumente, die sofort meine Begeisterung weckten.
Am Abend kam Sabrina, die Leiterin des Hauses, vorbei, um mich herzlich zu begrüßen. Es war ein schöner Ausklang eines stillen, musikalischen Pilgertags.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 68
Étourvy – Épineuil (18,3km)










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