Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Jakobsweg Trier – Vézelay:
Clairvaux – Essoyes (27,3km)
Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück und das habe ich heute nochmal ausgiebig genossen. Der Frühstücksraum meines Hotels in Clairvaux war gut bestückt, und ich ebenso danach. Für den Tag habe ich mich dann im kleinen Hotelshop mit Baguette und etwas Obst eingedeckt. Mehr braucht ein Pilger nicht. Zumal auf dem heutigen Weg keinerlei Einkaufsmöglichkeiten warteten.
Hinter dem Hotel stieg der Weg direkt in den Tag. Bergauf, vorbei am Denkmal des heiligen Bernard von Clairvaux, dem Gründer des Klosters. Von dort oben hatte ich noch einmal einen Blick auf das gewaltige Bauwerk- heute Kloster und Gefängnis in einem. Ein Ort voller Geschichte und Gegensätze.
Dann: Wald. Und was für einer! Herrliche Wege, friedlich und weich, fast schon poetisch. Erst als ich die A5 hörte, meldete sich die Zivilisation wieder zu Wort – akustisch, aber nur kurz. Nach der Unterquerung wurde es gleich wieder still.
Und dann, bei Fontette kam die große Verwandlung. Der Wald trat zurück, und ich trat ein in eine völlig neue Landschaft. Weinfelder, Streuobstwiesen, sanfte Hügel – plötzlich war alles heller, luftiger, irgendwie fröhlicher. Ich war in der Champagne angekommen. 🥂
Trotz leerem Magen bekam ich noch einmal einen regelrechten Energieschub, ob’s an der prickelnden Luft lag? Wer weiß. Jedenfalls trugen mich meine Beine bis nach Essoyes, ein kleines Dorf mit großer Seele.
Im charmanten „La P’TITE PARENTHÈSE“ hatte ich zum Glück schon ein Zimmer reserviert – was für ein hübscher Rückzugsort! Danach ließ ich mich durch den Ort treiben, ruhige Straßen, entspannte Menschen, ein freundliches „Bonjour“ an jeder Ecke. Hier grüßt man sich noch. Hier atmet man durch.
Und während andere Orte in dieser Region vom Champagner leben, hat Essoyes noch ein Ass im Ärmel: den Maler Pierre-Auguste Renoir, der hier lebte und arbeitete. Es liegt etwas Künstlerisches in der Luft – als würde sich die Farbe des Lichts hier etwas weicher auf die Dinge legen.
Zum Abschluss des Tages gönnte ich mir ein richtig gutes Essen im Restaurant Les Berges de l’Ource direkt am Fluss. Leichtes Wasserrauschen, voller Magen, ruhiger Geist. 🙂
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 65
Clairvaux – Essoyes (27,3km)












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