Zu Fuß auf dem Pilgerweg von Berlin nach Santiago de Compostella
Jakobsweg Trier – Vézelay:
Pont-à-Mousson – Liverdun (27,6km)
Erster Mai. Tag der Arbeit – für mich eher ein Tag der Wanderung. Ich hatte Glück: In Pont-à-Mousson fand ich tatsächlich eine geöffnete Bäckerei, was an einem Feiertag in Frankreich keine Selbstverständlichkeit ist. Mit einer warmen Quiche im Rucksack machte ich mich auf den Weg Richtung Liverdun. Die Vorfreude war groß, denn heute musste ich zum ersten Mal kein Zimmer buchen – mein Ziel war der Campingplatz direkt an der Mosel.
Rund 28 Kilometer lagen vor mir, und die wärmende Sonne machte mir etwas Sorgen. Die Dörfer auf dem Weg waren wie ausgestorben: Keine Menschen, keine Autos, kein Café, nicht mal ein offenes Fenster. Feiertagsruhe eben – in ihrer radikalsten Form.
Manchmal tauchen auf dem Land Automaten für Brot oder Pizza auf – eine moderne Kuriosität. Aber Pizza um 11 Uhr morgens? Nein danke.
Dafür entschädigte die Strecke: Weite Felder, einsame Wege, herrliche Fernblicke. Einfach nur laufen, atmen, schauen – und schweigen.
Kurz vor dem Ort Dieulouard, der einst eine Festung oberhalb der Mosel war, stieß ich auf das Denkmal “Notre-Dame des Airs” – ein stiller Ort der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, der in der offenen Landschaft fast surreal wirkte.
In Dieulouard selbst überraschte mich ein großes Wandbild mit Jakobspilger – ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Jakobsweg, das mich irgendwie berührte. Es erinnerte mich daran, wie viele Menschen hier schon unterwegs waren, aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Der Weg führte weiter über Felder Richtung Saizerais – und dort ging mir das Wasser aus. Zum Glück entdeckte ich bald jemanden im Garten. Ich frage in solchen Momenten einfach direkt – das fühlt sich persönlicher an als die Alternative: Wasserhähne auf Friedhöfen, die zwar praktisch, aber doch ein bisschen… nun ja, morbide wirken.
Gegen 19:00 Uhr erreichte ich endlich Liverdun. Der Ort selbst liegt imposant oben auf einem Berg, mit einem großartigen Blick auf die Moselschleife. Mein Ziel lag allerdings tiefer – direkt am Wasser: der Campingplatz. Als ich die Rezeption betrat, bestellte ich mir erst mal ein halbes Liter Bier – verdient ist verdient. Die Dame hinter der Theke sprach mich prompt auf Kölsch an. Sie kam einst aus Düsseldorf nach Frankreich – der Liebe wegen – und betreibt heute diesen wunderbar gelegenen Platz.
Leicht beschwipst baute ich mein Zelt auf, wusch mich und meine Kleidung, und verzog mich zufrieden in mein Schlafsack. Noch bevor ich einschlief, war klar: Hier bleibe ich länger.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 57
Pont-à-Mousson – Liverdun (27,6km)








Immer an der Mosel entlang, wie wunderschön muss das sein und so herausfordernd. Step by step.
Hab eine gute Zeit 🎈🙋🏻♀️