Zu Fuß auf dem Pilgerweg von
Berlin nach Santiago de Compostella
Elisabethpfad:
Ziegenhain – Stadtallendorf (25,3km)
Im Zentrum von Ziegenhain erhebt sich das ehemalige Schloss majestätisch aus seiner Umgebung. Umringt von einem historischen Wallgraben, erzählt das Schloss von einer reichen Vergangenheit. Doch beim näheren Hinsehen entdeckte ich etwas Unerwartetes: Ein Teil des Schlosses wurde zu einem Hochsicherheitsgefängnis umgebaut. Vielleicht werden hier die prominentesten Gangster der Republik untergebracht. Diese ungewöhnliche Transformation des Schlosses wirft ein Licht auf die vielfältige Nutzung historischer Gebäude in der Gegenwart.
Von Ziegenhain aus führte mein Weg entlang der Schwalm nach Treysa. Dort auf einem Hügel thront die ausgebrannte Kirche St. Martin, auch Totenkirche genannt. Diese Ruine, bestehend nur noch aus kahlen Mauern, spiegelte in diesem Moment meine eigene Verfassung wider: ein leerer, knurrender Magen und lästige Zahnschmerzen begleiteten mich. Zumindest eines dieser Probleme konnte ich in einer kleinen Bäckerei lösen, während das andere mich weiterhin quälte.
Der Weg nach Stadtallendorf erstreckte sich hauptsächlich über schöne Feld- und Waldwege.
Weniger erfreulich waren die Abschnitte, an denen noch an einem neuen Autobahnabschnitt gearbeitet wurde. Die Bauarbeiten unterbrachen die Ruhe der Natur und erinnerten daran, wie der Fortschritt oft auf Kosten der Landschaft geht.
An diesem Tag begegnete mir kein einziger Mensch. Die Einsamkeit des Weges verlieh meiner Pilgerreise eine besondere Intensität und ließ mich tief in Gedanken versinken.
In Stadtallendorf angekommen, fand ich Unterkunft im Pilgerzimmer einer privaten Ferienwohnungsvermietung. Rosi Lücke, die Besitzerin, ist selbst eine leidenschaftliche Pilgerin. Mit der Vermietung möchte sie der Pilgergemeinschaft etwas zurückgeben und ihre eigenen Erfahrungen teilen.
Eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit an diesem Tag war die Barockkirche St. Katharina in Stadtallendorf, eine der wenigen katholischen Kirchen in der Region. Ihre prächtige Architektur und die kunstvolle Innengestaltung hoben sich deutlich von den meist protestantischen Kirchenbauten entlang des Weges ab und boten einen eindrucksvollen Abschluss meines Pilgertages.
Grüne Reise nach Santiago:
Tag 27
Ziegenhain – Stadtallendorf (25,3km)









0 Kommentare